Pater Eberschweiler

Die Kirche des Bischöflichen Priesterseminars in Trier, gemeinhin Jesuitenkirche genannt, birgt neben Friedrich Spee den „ganz anderen Typ eines Jesuiten“ (Karl Rahner), nämlich die Gebeine von Pater Wilhelm Eberschweiler.

Während der Moraltheologe Friedrich Spee als leidenschaftlicher Gegner des Hexenwahns und als Kirchenlieddichter bestenfalls einem größeren Kreis von Spezialisten und Wissenschaftlern bekannt ist, pilgern zum Grabe des schlichten Seelsorgers und Spirituals Wilhelm Eberschweiler jährlich Zehntausende. An seinem Grab verlöschen die Kerzen nie; über 80 000 Gebetserhörungen finden sich im Eberschweiler-Archiv vor. Offensichtlich finden viele Katholiken hier etwas, was sie anderenorts vergeblich suchen.

Erstaunlich „karg“ und schnell erzählt ist der Lebenslauf von Wilhelm Eberschweiler. In eine saarländische Lehrerfamilie am 5. Dezember 1837 in Püttlingen hineingeboren, wuchs er in Waxweiler (Eifel) und im nahegelegenen Bitburg auf, trat 1851 in das Bischöfliche Konvikt in Trier ein und legte im Jahre 1858 die Reifeprüfung am renommierten Friedrich-Wilhelm-Gymnasium ab, also nur ein paar Schritte entfernt von seiner jetzigen Grabstelle.

Der Eintritt in den Jesuitenorden im selben Jahr war Endpunkt einer recht langwierigen Suche nach dem rechten Verlauf des Lebensweges: Weltpriester zu werden oder in die Kongregation der Vinzentiner einzutreten – dies waren für Wilhelm Eberschweiler ebenfalls ganz reale und vorstellbare Berufsmöglichkeiten gewesen. Überhaupt erweisen sich die meisten der bekannte Details aus Eberschweilers Leben als recht sympathisch und zeigen den jungen Jesuiten als ganz normalen und kernigen Menschen: auch er hatte Schwierigkeiten mit dem Studium, versagte sogar einmal bei einer Prüfung; auch er hatte Schwierigkeiten mit der zölibatären Lebensform; auch er rieb sich an den Unzulänglichkeiten des Leibes – er litt u. a. an Farbenblindheit und zeitweise unter starken körperlichen Schmerzen. Aber: Wilhelm Eberschweiler hat all diese Probleme durch eiserne Disziplin und Hingabe an den Willen Gottes in den Griff bekommen. Die Kraft dazu ist ihm nicht in die Wiege gelegt worden, vielmehr wurde sie ihm erst nach einem Leben voller Tugendanweisungen geschenkt.

Dem Noviziat in Münster/Westfalen (1858-61) folgten Studienjahre in Aachen und dann Maria Laach, wo Eberschweiler am 13. September 1868 zum Priester geweiht wurde. Er wirkte anschließend u. a. in Gorheim, Wynandsrade, Ditton-Hall und ab 1894 bis zu seinem Tode im holländischen Exaten als angesehener Spiritual, der, wie der überaus nüchterne Friedrich Muckermann berichtete, „für heiligmäßig angesehen wurde … Jedenfalls waren seine Instruktionen von einem gnadenhaften Ethos verklärt. Er lebte ganz in der Welt der Heiligen Schrift und der Geheimnisse der Religion.“ Persönlich war er nach den reichlich erhalten gebliebenen Zeugnissen seiner geistlichen Schüler ein Muster an bescheidenster, treuester Pflichterfüllung. Im Äußeren war er sorgfältig und genau bis ins Kleinste; als Spiritual empfing er die ihm Anvertrauten mit gleichbleibender Freundlichkeit und versuchte eher, bei ihnen die Tugenden zu pflanzen und pflegen, anstatt die Fehler radikal auszurotten. Dass er übernatürliche Begnadungen besaß und mehr „sah“ als andere, ist vielfältig bezeugt und auch durch sein Tagebuch belegt.

Wilhelm Eberschweiler starb am 23. Dezember 1921 in Exaten im Ruf der Heiligkeit. Der 1951 eingeleitete Trierer Bistumsprozess zur Seligsprechung erfährt derzeit in Rom seine diözesanübergreifende Fortsetzung. Eberschweiler wurde zunächst in Exaten begraben; im Mai 1958 erfolgte die Überführung der Gebeine nach Trier in die Jesuitenkirche. Grab und Grabdenkmal wurden im Verlauf der 1993 abgeschlossenen Gesamtrenovierung in einen würdigen und ansprechenden Zustand versetzt.

Der liebenswürdige, schlichte, bescheidene und „normale“ Pater Eberschweiler ist vielen Menschen zum Vorbild geworden, die das Wort der Bergpredigt „Selig die Sanftmütigen“ mehr anspricht als das eher kämpferische Vorbild ein Friedrich Spee. Heitere Gelassenheit und tiefes Gottvertrauen sprechen aus Eberschweilers beruhigendem Wort, das in der Jahresschlussandacht des alten „Gotteslob“ (Nr. 788,4) zu finden war: „Wie tröstlich ist es doch, bester Vater, daß du meinen Kalender für das kommende Jahr schon längst und auf das genaueste gemacht hast. So überlasse ich mich ganz deiner gütigen Vorsehung und kenne nur eine Sorge, deinen väterlichen Willen zu erkennen und zu erfüllen.“

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