Vor der Priesterausbildung arbeitete der Igeler fünf Jahre beim Theater Trier:Mathias Kremer: „Als Priester bin ich auch eine Art Regieassistent“

Trier/Igel – Mathias Kremers Lebensmotto könnte lauten: „Immer alles auf mich zukommen lassen und schauen, wohin mein Weg so geht.“ Dieser Weg hat den 31-Jährigen nicht immer völlig geradlinig auf seine bevorstehende Weihe zum Priester geführt, sondern bot links und rechts spannende Stationen. Diese möchte der junge Mann, der derzeit in Bad Kreuznach als Diakon eingesetzt ist, nicht missen. So hat Kremer fünf Jahre lang beim Stadttheater Trier gearbeitet - bis er vor einer Grundsatzentscheidung in seinem Leben stand und seinem Herzen gefolgt ist: Am Samstag, 4. Juli wird er nun von Bischof Stephan Ackermann in einem feierlichen Gottesdienst im Dom in Trier geweiht.
Spaß an Glauben und Kirche in Jugend gewachsen
Kremer kommt aus Liersberg bei Igel, wo er „klassisch auf dem Dorf mit Musikverein und Messdienen“ groß wurde, wie er erzählt. Er stamme nicht aus einer besonders frommen Familie, sein Vater habe eher wenig mit Kirche anfangen können. Das Interesse an Glauben und Kirche sei also immer etwas gewesen, das er sich „selbst gesucht habe“. Nach der Erstkommunion wurden viele Kinder Messdiener, so auch Kremer. „Mir hat das richtig viel Freude gemacht, sowohl die Gottesdienste als auch die Jugendfahrten und Aktivitäten. Letztlich hat es mir so viel Spaß gemacht, dass ich irgendwann einfach jeden Sonntag in die Kirche bin, egal ob ich auf dem Plan stand oder nicht.“ Das fiel auch seinem Ortspfarrer auf, der ihn schon als 16-Jährigen zum Lektorendienst ermutigte. Kurz darauf motivierten ihn Gemeindemitglieder, einer der jüngsten Küster des Bistums zu werden.
Abschlussarbeit über KI – „Eine Predigt würde ich nie von KI schreiben lassen“
2013 schloss Mathias Kremer das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier mit dem Abitur ab und stand vor der Frage: „Was mache ich denn jetzt eigentlich?“ Bei Informationstagen im Priesterseminar Trier sammelte er ein Wochenende lang Eindrücke. „Ich hab‘ mir damals gesagt, na gut, probier‘ das doch mal aus und schau, wohin der Weg so geht.“ Gesagt, getan: Kremer trat ins Bischöfliche Priesterseminar ein. Nach vier Semestern ging es für ihn zum Außenstudium nach Innsbruck, wo er im Studentenwohnheim wohnte. Für ihn eine Bereicherung, erinnert sich Kremer: „Ich habe das sehr genossen, Leute aus allen möglichen Fachbereichen kennenzulernen, auch außerhalb der eigenen bubble (Blase).“ Deshalb bat er den damaligen Regens (Leiter des Priesterseminars) darum, nach seiner Rückkehr in Trier ebenfalls im Studentenwohnheim leben zu dürfen, bevor er das letzte Studienjahr am Priesterseminar Sankt Georgen in Frankfurt absolvierte.
Seine Abschlussarbeit aus 2019 zur Frage, wie und ob Künstliche Intelligenz moralisch agieren kann, griff ihrer Zeit voraus. Seine Predigten würde er jedoch nie von KI schreiben lassen, lacht er. „Das merkt man einfach, das hört sich austauschbar an. Außerdem versuche ich immer, etwas Persönliches aus meinem Leben und meinen Erfahrungen einzubringen.“
Noch etwas anderes ausprobieren, bevor die Lebensentscheidung fiel
Das letzte Studienjahr ließ in Kremer aber auch Zweifel an seinem Berufsweg aufkommen. „Ich war zack-zack durch diese klassische Ausbildung gegangen und das ging mir irgendwie zu schnell. Priester werden ist für mich eine wichtige Aufgabe, hinter der man 100 Prozent stehen sollte. Die Berufung habe ich schon immer in mir gespürt, aber es war für mich einfach nicht der richtige Zeitpunkt. Ich wollte noch etwas anderes ausprobieren", blickt er zurück. Auf den Vorschlag einer Studienfreundin hin bewarb er sich auf ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Pressestelle des Stadttheaters Trier. Im Priesterseminar habe es Gespräche gegeben, aber seine Entscheidung sei respektiert worden. „Meinen Ausbildungsweg habe ich ja für mich gemacht, mit jedem Schlenker, um zu mir selbst zu finden und sagen zu können: Das mache ich aus ganzem Herzen.“ Der Theaterbetrieb habe ihn fasziniert: „Viele Theaterstücke haben mich sehr berührt. Sie finden nochmal einen anderen Zugang zu großen Fragen des Lebens. Außerdem fand ich die große Willkommenskultur dort schön; alle werden so angenommen, wie sie sind, auch mit exotischen Lebensweisen.“ Auch deshalb blieb er nach dem FSJ und arbeitete vier Jahre als Regieassistent beim Schauspiel und Inspizient bei der Oper. Schicksal oder nicht – das erste von Kremer begleitete Stück war „Gott“ von Ferdinand von Schirach.
Auch als Priester Regieassistent bleiben
Als eine Regisseurin ihn anfragte, ob er dauerhaft nach Köln an die Oper kommen wolle und ihn persönliche Schicksalsschläge in der Familie trafen, kam für Kremer der Punkt der Entscheidung: „Es war ja nie ein Weg ohne Gott. Das habe ich nach Proben oder beim gemeinsamen Feiern gemerkt, wenn Leute mich wegen Problemen oder Lebensfragen ansprachen und meinten, ‘hey du bist doch Theologe, sag mal was dazu!’ Natürlich ohne moralischen erhobenen Zeigefinger habe ich gemerkt, ich begleite Leute einfach gern bei ihren Lebensfragen.“ Die fünf Jahre seien für ihn ein Lernprozess gewesen darüber, was Glaube im Alltag von Menschen heißt.
Kremer schloss seine Priesterausbildung ab und ist seit 2024 als Pastoralpraktikant und als Diakon in der Pfarrei Bad Kreuznach Heilig Kreuz eingesetzt, wo er auch nach seiner Weihe als Kaplan arbeiten wird. Den Regieassistenten wird er allerdings nie ganz ablegen: „Das ist irgendwie zu meinem Bild geworden. Ich begleite die Leute, versuche, jeden Einzelnen im Blick zu halten. Ich bin nicht der Hauptdarsteller auf der Bühne, sondern der Assistent, der den eigentlichen Regisseur – Gott – fragen kann, wie er sich was gedacht haben könnte.“
Privat schaut Mathias Kremer heute Theaterstücke als normaler Zuschauer. Sein Hobby aus Jugendzeiten, das Horn-Spielen im Musikverein, sei schwierig wegen fester Probezeiten. Aber ganz unmusikalisch ist es in Kremers Leben nicht geworden: Während der Corona-Pandemie habe er sich das Klavierspielen beigebracht und das schaffe er auch heute noch zwischendurch.
Als Leitspruch für seine Primizfeier (erste Messe) am Sonntag, 5. Juli um 11 Uhr in der Kirche St. Dionysius in Igel hat er sich Gottes Wort aus dem brennenden Dornbusch an Mose „Ich bin mit dir“ ausgesucht. „Mit diesem Bild will ich unterwegs sein, das hat mich von Anfang an geprägt. Gott ist immer schon da und will im Alltag entdeckt werden.“
