Priester werden? Will ich das?

Thomas Hufschmidt

Theologie studieren? Priester werden? Kann ich das? Will ich das?
All diese Fragen gingen mir im Sommer 2008 durch den Kopf. Ein Jahr vor meiner Abiturprüfung war plötzlich nichts mehr wie es die ganze Zeit war. Eigentlich waren alle Pläne bereits gemacht: Abi, Studium in Mathematik und Materialwissenschaften, danach einen super Job und viel Geld verdienen, weil Naturwissenschaftler eben gefragt sind.
Doch dann: auf einmal war da nur noch ein großes Fragezeichen.
Ich war nicht zufrieden mit dem Lebensentwurf, den ich mir oder den mir vielleicht auch meine Umwelt geben wollte. Im Sommer 2008 erreichte mich diese Frage aber wie eine heranrollende Lawine, der ich nicht mehr ausweichen konnte. Ich musste mich jetzt, da ein Lebensabschnitt sichtbar zu Ende zu gehen schien, für eine neue Weichenstellung entscheiden.
Ich suchte Gespräche mit mir gut vertrauten Seelsorgern, denn ich spürte, dass da mehr war als ein bloßer Berufswunsch, als ein bloßes Ausprobieren-wollen eines Studiums oder einer Ausbildung. Ich hatte ein Gefühl, das ich gar nicht richtig beschreiben kann. Ich fühlte mich hingezogen zu Gott und der Kirche. Ich spürte das innere Verlangen, in dieser Kirche, an ihrem Aufbau und der Verkündigung mitwirken zu wollen. Nach vielen Gesprächen, viel Zeit im stillen Kämmerchen und im Gebet, wo ich die Frage um meine Zukunft in Gottes Hände gelegt habe, kam ich zu dem Entschluss, mich im Trierer Priesterseminar zu bewerben.
Von meiner Bewerbung habe ich zunächst nur meinen besten Freunden erzählt. Alle anderen, inklusive meiner Eltern, wurden erst nach dem Abschluss der Bewerbung über meinen Entschluss informiert.
So habe ich dann im November 2009 meinen Weg in Trier mit dem Eintritt ins Priesterseminar begonnen. Für ein Jahr habe ich in München studiert, und wenn alles gut geht, schließe ich Im Sommer mein Studium ab. Im Januar 2015 wurde ich unter die Kandidaten für das Weihesakrament aufgenommen. Durch diesen Schritt wurde mein Weg konkreter, weil ich zum ersten Mal mich offiziell vor der Gemeinde und den Mitbrüdern dazu bereiterklärt habe, den Weg hin zur Weihe weiterzugehen und mich weihen zu lassen.
Nach wie vor gibt es aber die Momente des Zweifelns und des Fragens. Ich bin froh und Gott dankbar, dass er mich bis hierher geführt und getragen hat. Die Fragen, die ich mir vor Beginn meines Weges im Seminar gestellt habe, sind noch nicht beantwortet, aber ich spüre, dass ich auf dem richtigen Weg bin.