7 Märtyrerpriester der NS-Zeit

Pfarrer Wilhelm Caroli

Pfarrer Wilhelm Caroli

Letzte Dienstorte:
Kell, Kürrenberg, Kottenheim (Ruhesitz)
verstorben am 22.8.1942 in Dachau

Wilhelm Caroli wurde am 7.4.1895 in Saarlouis im Saarland geboren. In seiner schulischen Ausbildung durchlief er das Gymnasium in Saarlouis und später in Mayen, wo er 1914 seine Reifeprüfung ablegte. Nach einem kurzen Aufenthalt im Bischöflichen Priesterseminar Trier wurde er im Mai 1915 zum Militärdienst eingezogen, den er als Sanitäter an der Ostfront ableistete. Im März 1916 kehrte er an das Trierer Priesterseminar zurück, wurde dort 1920 aber entlassen, weil er bei einer Probepredigt während des Mittagessens den Regens und die Herren Professoren treffend und witzig mit Hilfe einiger alttestamentlicher Gestalten charakterisiert hatte und dafür donnernden Applaus seiner Mitbrüder erhielt. Nachdem man ihn, schon zum Diakon geweiht, in das Bistum Speyer geschickt hatte, empfing er dort am 12.3.1921 von Bischof Ludwig Sebastian seine Priesterweihe.

Als Kaplan wirkte er von 1921 bis 1926 in Ludwigshafen, Grünstadt und Kusel. Seine erste Pfarrstelle erhielt er im November 1926 in Rheingönheim. Vor allem im Bereich des katholischen Vereinslebens und in der Arbeiterbewegung engagierte Caroli sich stark. Schon 1933 geriet der Pfarrer in Konflikt mit den Nationalsozialisten, als er in einem katholischen Kirchenblatt Hitlers Antisemitismus als „ganz grause[n] Blödsinn“ beschrieb. Die NSDAP-Ortsgruppe teilte Caroli daraufhin mit: „Die Art, wie Sie ihre Stellung als Seelsorger zum Kampf gegen unsere Bewegung missbraucht haben, ist uns nicht verborgen geblieben.“ Auf Grund der Schulkämpfe, die besonders intensiv im ev. Regierungsbezirk Pfalz geführt wurden, mussten viele Ortspfarrer brutale Gewalt in der Verteidigung der Bekenntnisschulen hinnehmen. Auch Caroli war einer von sechs schwer misshandelten Pfarrern.

In den Akten des Bistums Speyer von 1947 heißt es: „In der Nacht vom 26./27. Juni 1933 wurde Caroli vor dem Pfarrhaus in Rheingönheim von drei SA-Leuten überfallen und mit Gummiknüppeln bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen.“ Nur durch die Proteste der Bischöfe und des Heiligen Stuhls, vertreten durch Nuntius Cesare Orsenigo, konnten die Bekenntnisschulen weiter bestehen und das Opfer der Pfarrer fruchtbar gemacht werden. Seit diesen Ereignissen kam es allerdings immer wieder zu Übergriffen gegen Caroli und seine Pfarrei. Katholische Vereine wurden aufgelöst und SA-Leute drangen in die Kirche ein und hissten auf dem Kirchturm die Hakenkreuzfahne. Am Abend des 8. Juli 1935 kam es dann nach einer Demonstration gegen den Pfarrer erneut zu Gewalttaten, bei denen erhitzte Demonstranten in den Kirchturm eindrangen und die dort verschanzten katholischen Männer misshandelten. Zudem zerstörten sie einiges Mobiliar aus der Kirche und dem Pfarrhaus. Der Beichtstuhl wurde zertrümmert, das Kommuniontuch zerrissen, Türen wurden eingetreten, Schränke auseinander genommen und Fenster zerschlagen. Das zuständige Überfallkommando Ludwigshafen verweigerte das Eingreifen.

Im Sommer 1937 wurde Caroli wegen Vergehens gegen das Reichsflaggengesetz verurteilt und musste acht Monate ins Gefängnis. Nach der Verbüßung der Haftstrafe zog er in die Diözese Trier zu seinen Brüdern, die ihre Pfarrstellen in Kell und Kürrenberg hatten. Nach einer Predigt, in der er die Euthanasiepraxis verurteilte, wurde Caroli im Oktober 1941 wegen „Kanzelmißbrauchs“ erneut verhaftet und kam zuerst nach Koblenz in „Schutzhaft“ und schließlich am 18.2.1942 ins KZ Dachau. Nur sechs Monate später verstarb Caroli an Entkräftung, von Krankheit gezeichnet und vom Hunger übermannt, am 23.8.1942. Ein Mitbruder Carolis, Pfr. Seitz, schrieb: „Der Pfaffenhaß hat in diesem Jahre 1942 […] Triumphe gefeiert. […] Männer in der Vollkraft der Jahre, die draußen Berge versetzten, waren in Dachau schwach wie Kinder.“