7 Märtyrerpriester der NS-Zeit

Kaplan Peter Schlicker

Kaplan Peter Schlicker

Letzter Dienstort: Niedermendig
verstorben am 19.4.1945 in Salzburg

Peter Schlicker wurde am 12.3.1909 in Saarbrücken-Malstatt als eines von zehn Kindern in eine tiefreligiöse Familie hineingeboren. Nachdem er 1928 am humanis- tischen Gymnasium in Saarbrücken seine Reifeprüfung bestanden hatte, studierte er bis zum Jahre 1934 Philosophie und Theologie am Bischöflichen Priester- seminar Trier. Nach seiner Priesterweihe am 15.7.1933 durch Bischof Korum wurde er zum Kaplan der Neuwieder Diasporapfarrei St. Matthias ernannt. Als aktiver und lebhafter Kaplan geriet Schlicker bereits hier in Gegnerschaft mit dem Nationalsozialismus.

Er musste ein Sittlichkeitsverfahren über sich ergehen lassen, welches wegen der recht bald bewiesenen Unschuld eingestellt wurde. Um ihn trotzdem aus der „Schusslinie“ der Nationalisten zu nehmen, wurde er am 1.5.1935 als Kaplan nach Niedermendig versetzt, wo er auf einen Pfarrer traf, der den Nationalsozialisten ebenfalls eine nicht unbekannte Person war, Joseph Bechtel. Aber auch hier musste sich der noch junge Kaplan der Verfolgung und Bespitzelung stellen, so auch als er sich in einer Predigt gegen die NSDAP-Wandzeitung „Der Stürmer“ wandte, was eine Anzeige wegen Kanzelmissbrauchs zur Folge hatte. Der vermeintliche Grund seiner Verhaftung aber lag in der Verteidigung des kirchlichen Eherechts.

Schlicker hatte bei der Sterbebegleitung eines Mannes, der von seiner Frau getrennt war, auf die Unauflösbarkeit des christlichen Ehesakramentes hingewiesen. Somit zog er sich den Vorwurf der unzulässigen Beeinflussung eines Sterbenden zu und wurde am 9.1.1941 verhaftet und in die Schutzhaft nach Koblenz überstellt. Ungefähr einen Monat später wurde Schlicker, zusammen mit seinem Pfarrer Joseph Bechtel, ins KZ Dachau überführt. Dank seiner Jugend überstand der Kaplan die folgenden Jahre und den schrecklichen Hungersommer 1942. Dennoch wurde er zunehmend von Krankheiten geplagt, so von einer Typhuserkrankung im Jahre 1943 und einer Mittelohrentzündung im Jahre 1944. Besonders beeindruckend ist sein standhaftes Verhalten in der Gefangenschaft, so dass sein Mithäftling Pfarrer Jakob Schneider von ihm berichtet, er habe „kein Wort der Klage … kein[en] Fluch über seine Feinde, kein Hadern mit Gott“ von Peter Schlicker vernommen.

In einem am 22.8.1943 von ihm verfassten Brief schrieb er die im Angesicht des Todes kaum fassbaren Worte: „Diener Gottes sein, heißt Sieger, heißt König sein. Auch Dachau soll für uns werden zum königlichen Weg. Wie schön ist es, als Priester wirken zu können.“ Das Glück, am 29.3.1945 aus dem KZ entlassen zu werden, war für ihn jedoch nur von kurzer Dauer. Er erlag am 19.4.1945 im Salzburger Landeskrankenhaus, fernab der Heimat, trotz intensiver Pflege mit jungen 36 Jahren dem Flecktyphus.