Seminaristen unseres Hauses schreiben ganz persönlich von ihrem Weg ins Seminar und von ihrem Leben dort. Sie erzählen von ihren Erfahrungen, von ihrem Suchen und ihrem Finden.

„Alles beginnt mit der Sehnsucht“

Bernd Schütz

„Finden macht Suchen leichter und die wahre Musik ist zuallererst im Musiker.”

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„Alles beginnt mit der Sehnsucht“

Bernd Schütz


Mein Name ist Bernd Schütz. Ich bin 45 Jahre alt und komme ursprünglich aus Bonn. Von Kindheit an bin ich in meiner Heimatgemeinde verwurzelt, zunächst als Messdiener, in Jugend- und Musikgruppen, später als Küster, Organist und Chorleiter, Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand. Und doch bin ich lange Zeit einem anderen Berufs-, Karriereweg gefolgt, der mich zuletzt auch an meine Grenzen geführt hat. Gleichzeitig waren aber die innere Berufung und die Suche seit dem Abitur meine ständigen Begleiter in Exerzitien und nicht zuletzt in Person meines verstorbenen Schulpfarrers und meiner Gemeindeseelsorger in der Jugend. Zwei Symbole und Texte sollen helfen, meinen Weg des Suchen und Finden zwischen Sehnsucht und Geborgenheit ein wenig zu verdeutlichen.
Da ist zunächst die Blockflöte als einziges Erinnerungsstück an meine verstorbene Mutter. Sie symbolisiert Wurzeln. In meinem Leben steht sie für Musik, erste Sehnsucht, mitten in der Gemeinde sein, für Leidenschaft, Engagement, den Anfang, der bis heute trägt, für Gemeinde leben und erleben und für den Beginn der Suche. Das dazu passende Leitmotiv für mich lautet: „Musik ist zuerst im Musiker, nicht in den Noten.“ Nelly Sachs schreibt dazu: „Alles beginnt mit der Sehnsucht immer ist im Herzen Raum für mehr, für Schöneres, für Größeres. Das ist des Menschen Größe und Not: Sehnsucht nach Stille, nach Freundschaft und Liebe. Und wo Sehnsucht sich erfüllt, dort bricht sie noch stärker auf. Lass unsere Sehnsucht damit anfangen, dich zu suchen, und lass sie damit enden, dich gefunden zu haben.“
Das zweite Symbol ist die Holzskulptur einer geöffneten Handfläche, in die ein Kind seinen Kopf legt; ein Erinnerungsstück meiner verstorbenen Großmutter. Die Hand symbolisiert Geborgenheit. In meinem Leben steht sie auch für die Erfahrung eigener Grenzen, Ängste und Zweifel, für das Geschehen und Werden, für Angekommen und Loslassen, Achtsamkeit, Ruhe finden, sich selber finden, Gemeinschaft und Heimat. Damit verbinde ich die Erfahrung: „Aus Geschenk/Gnade wächst Überzeugung“. Der dazu passende Text stammt aus einem Lied: „Geborgen in Dir, Gott, atme ich ein, schöpfe ich Hoffnung aus Brot und Wein. Geborgen in Dir, Gott, lasse ich los und liege sicher in Mutters Schoß. Geborgen in Dir, Gott, ruhe ich aus, bin ich zufrieden bei Dir zuhaus. Begeistert von Dir Gott, kann ich mich freun, sende Dein Lächeln, voll Leidenschaft. Begeistert von Dir, Gott, fange ich an, Liebe zu leben nach deinem Plan.“

„Finden macht Suchen leichter und die wahre Musik ist zuallererst im Musiker.”

„Ausstrahlung“ steckte an

Patric Schützeichel

„Es sprang ein Funke über und ich merkte, wie sinnvoll und wie glücklich machend ein Leben als Priester sein kann.”

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„Ausstrahlung“ steckte an

Patric Schützeichel


Mein Name ist Patric Schützeichel, ich bin 21 Jahre alt, komme aus Roßbach bei Waldbreitbach und studiere im 3. Semester Theologie. Wenn ich meinen Weg beschreiben soll, so kann ich zunächst sagen, dass ich eine „klassische Karriere“ in der Ministrantenarbeit durchlaufen habe: Nach der Erstkommunion wurde ich Messdiener, später dann Verantwortlicher in der Messdienerarbeit und in der Jugend der Pfarrei. Die Pfarrei war für mich mein gewohntes Umfeld, ich bin in ihr groß geworden.
In dieser Zeit des Wachstums durfte ich zwei sehr prägenden Personen begegnen, zwei Kaplänen, die nacheinander ihre Stelle in der Pfarrei hatten. Zunächst hatte ich Kontakt zu ihnen in der Jugendarbeit, dann aber auch darüber hinaus. Ihre vorbildhafte Wirkung und ihr „Ausstrahlen“ steckten an. Es sprang ein Funke über und ich merkte, wie sinnvoll und wie glücklich machend ein Leben als Priester sein kann. Mehr und mehr hatte ich selbst den Wunsch, auch genau so, auf diese lebensfrohe, ansteckende Weise Menschen zu begegnen und mit ihnen etwas von der Schönheit des Glaubens zu teilen. Stückweise konnte ich die Gedanken an den Priesterberuf, den eigenen Wunsch, Priester zu werden zunächst klarer fassen und dann die Hürde überwinden, auch einmal mit jemandem darüber zu sprechen. Schließlich wollte ich wissen, wie das geht: Priester werden. In vielen Gesprächen mit meinen Ansprechpersonen, den beiden Kaplänen, habe ich zunächst zögerlich, dann aber immer klarer meine Sehnsucht ausdrücken können. Ich besuchte die Informationstage im Priesterseminar. Und danach wurde es noch klarer: ich war entschlossen, mir anzuschauen, wie der erste Ausbildungsabschnitt im Priesterseminar aussieht.
Nach dem Abitur schrieb ich meine Bewerbung – und wurde aufgenommen in das Propädeutikum, den ersten Ausbildungsschritt, noch vor dem Theologiestudium.
Heute, im 2. Semester kann ich das Propädeutikum rückblickend als eine wertvolle Zeit bezeichnen, in der ich mich entschließen konnte, den Weg im Priesterseminar weiter zu gehen. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass ich so lange, wie es mir dort gut geht, im Priesterseminar bleiben darf und dass ich, solange es Gottes Wille ist, ich meinen Weg in der Nachfolge Schritt für Schritt mit IHM weitergehen darf.

Die schrittweise Hinführung zu dieser Art von Meditation erfolgt in Anlehnung an das bewährte Buch „Kontemplative Exerzitien“ von Franz Jalics SJ. Über die Wahrnehmung des Atems und das Erspüren der Hände führen diese Exerzitien Schritt für Schritt dazu, den eigenen Atem mit dem Namen Jesu zu verbinden und dabei in Stille zu verweilen. Elemente: Schweigen, gemeinsame Tagesreflexion, Entspannungsübungen (Qi Gong), ausgiebige Spaziergänge, täglicher Gottesdienst, in den eine „Ansprache“ integriert ist, in der auf wesentliche Punkte des kontemplativen Gebetsweges hingewiesen wird.

„Es sprang ein Funke über und ich merkte, wie sinnvoll und wie glücklich machend ein Leben als Priester sein kann.”

Priester werden? Will ich das?

Thomas Hufschmidt

„Priester werden? Theologie studieren? Wie geht das? Kann ich das? Will ich das?”

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Priester werden? Will ich das?

Thomas Hufschmidt


Theologie studieren? Priester werden? Kann ich das? Will ich das?
All diese Fragen gingen mir im Sommer 2008 durch den Kopf. Ein Jahr vor meiner Abiturprüfung war plötzlich nichts mehr wie es die ganze Zeit war. Eigentlich waren alle Pläne bereits gemacht: Abi, Studium in Mathematik und Materialwissenschaften, danach einen super Job und viel Geld verdienen, weil Naturwissenschaftler eben gefragt sind.
Doch dann: auf einmal war da nur noch ein großes Fragezeichen.
Ich war nicht zufrieden mit dem Lebensentwurf, den ich mir oder den mir vielleicht auch meine Umwelt geben wollte. Im Sommer 2008 erreichte mich diese Frage aber wie eine heranrollende Lawine, der ich nicht mehr ausweichen konnte. Ich musste mich jetzt, da ein Lebensabschnitt sichtbar zu Ende zu gehen schien, für eine neue Weichenstellung entscheiden.
Ich suchte Gespräche mit mir gut vertrauten Seelsorgern, denn ich spürte, dass da mehr war als ein bloßer Berufswunsch, als ein bloßes Ausprobieren-wollen eines Studiums oder einer Ausbildung. Ich hatte ein Gefühl, das ich gar nicht richtig beschreiben kann. Ich fühlte mich hingezogen zu Gott und der Kirche. Ich spürte das innere Verlangen, in dieser Kirche, an ihrem Aufbau und der Verkündigung mitwirken zu wollen. Nach vielen Gesprächen, viel Zeit im stillen Kämmerchen und im Gebet, wo ich die Frage um meine Zukunft in Gottes Hände gelegt habe, kam ich zu dem Entschluss, mich im Trierer Priesterseminar zu bewerben.
Von meiner Bewerbung habe ich zunächst nur meinen besten Freunden erzählt. Alle anderen, inklusive meiner Eltern, wurden erst nach dem Abschluss der Bewerbung über meinen Entschluss informiert.
So habe ich dann im November 2009 meinen Weg in Trier mit dem Eintritt ins Priesterseminar begonnen. Für ein Jahr habe ich in München studiert, und wenn alles gut geht, schließe ich Im Sommer mein Studium ab. Im Januar 2015 wurde ich unter die Kandidaten für das Weihesakrament aufgenommen. Durch diesen Schritt wurde mein Weg konkreter, weil ich zum ersten Mal mich offiziell vor der Gemeinde und den Mitbrüdern dazu bereiterklärt habe, den Weg hin zur Weihe weiterzugehen und mich weihen zu lassen.
Nach wie vor gibt es aber die Momente des Zweifelns und des Fragens. Ich bin froh und Gott dankbar, dass er mich bis hierher geführt und getragen hat. Die Fragen, die ich mir vor Beginn meines Weges im Seminar gestellt habe, sind noch nicht beantwortet, aber ich spüre, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

„Priester werden? Theologie studieren? Wie geht das? Kann ich das? Will ich das?”

Zu jung?

Mathias Kremer

„Mir wurde von einigen Leuten gesagt, ich wäre doch noch ziemlich jung, um mich für ein Leben als Priester zu entscheiden.”

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Zu jung?

Mathias Kremer


Mein Name ist Mathias Kremer, ich bin 20 Jahre alt, komme aus Liersberg bei Igel und habe im September 2013 mit dem Propädeutikum begonnen. Heute studiere ich bereits im ersten Semester Theologie.
Bei Eintritt ins Priesterseminar wurde mir von einigen Leuten gesagt, ich wäre doch noch ziemlich jung, um mich für ein Leben als Priester zu entscheiden. Ich habe mir dann eben genau diese Frage gestellt, ob ich tatsächlich zu jung für eine solche Entscheidung sein könnte. Was würde ich heute dazu sagen?
Ich denke es wären folgende Dinge: Erstens war das ja noch keine endgültige Entscheidung, da die Zeit im Priesterseminar ja auch noch einmal eine Zeit der Entscheidung und Zeit der Reifung sein soll. Auf der anderen Seite habe ich schon immer etwas gespürt, was mich „angestupst“ und mir Mut gemacht hat, diesen Weg zu gehen, und vor allem die Gestaltung meines Lebens in meine Hände zu nehmen und somit der Spur meiner Berufung nachzugehen. Und wichtig für mich ist dabei immer auch im Zwiegespräch mit Gott zu erfragen: „Bin ich da, Gott, wo du mich haben willst? Wie hast du dir mich vorgestellt? Was ist das, womit ich mein Leben füllen soll?“ Gerade diese Frage gilt ja nicht nur für die Berufung zum Priester, sondern sie gilt für uns alle, denn so kommt der Sinn unseres Lebens wieder von Gott selbst, denn er ruft jeden auf seine ganz individuelle Weise und sucht Freundschaft mit uns. Ich habe mich auf diese Weise persönlich von ihm angesprochen gefühlt, er gibt mir Kraft, meinen Weg zu finden und so habe ich mich aufgemacht, um diesen Weg zu gehen. Und Wege zu gehen ist unabhängig vom Alter, ich muss nur den Mut haben, Gott in meinem Leben Raum zu geben und mich von ihm leiten lassen, egal wohin er mich führt.

„Mir wurde von einigen Leuten gesagt, ich wäre doch noch ziemlich jung, um mich für ein Leben als Priester zu entscheiden.”